Menschen mit Behinderungen in der DDR
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Historie
Wie lebten Menschen mit Behinderungen in einem Staat, der soziale Sicherheit, Rehabilitation und gesellschaftliche Teilhabe versprach - und zugleich durch staatliche Lenkung, Bevormundung und Barrieren geprägt war?
Die Geschichte von Menschen mit Behinderungen in der DDR ist widersprüchlich. Es gab medizinische Versorgung, rehabilitative Förderung, Bildung und berufliche Eingliederung. Gleichzeitig blieben Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe vielfach an institutionelle und politische Rahmenbedingungen gebunden. Unterstützung konnte mit Kontrolle verbunden sein, organisierte Teilhabe mit vorgegebenen Strukturen.
Dieses Buch betrachtet die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderungen in der DDR über vier Jahrzehnte. Es fragt, wie das gesellschaftliche Menschenbild den Umgang mit Behinderung prägte und wie Familien, Medizin, Bildung und Staat auf die Geburt eines Kindes mit Behinderung reagierten. Es untersucht Früherziehung, Kindergarten und Schule, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Technik und Hilfsmittel, Freizeit, Sport und Kultur, Partnerschaft und Familie, medizinische Versorgung und Selbstvertretung. Auch Medien und Öffentlichkeit sowie die Umbruchzeit 1989/90 werden betrachtet.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur Strukturen und staatliche Vorgaben. Zeitzeugenberichte geben Einblick in persönliche Erfahrungen und zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit Behinderungen und ihre Familien die DDR erlebten.
Das Buch verfolgt einen differenzierten wissenschaftlichen Ansatz. Es möchte weder anklagen noch verklären und stellt die DDR nicht einer vermeintlich "guten" Bundesrepublik gegenüber. Statt einfacher Wertungen geht es um historische Einordnung, Widersprüche und die Frage, wie soziale Sicherheit, Fürsorge, politische Steuerung, persönliches Engagement und individuelle Lebenswege miteinander verbunden waren.
Die Darstellung verbindet wissenschaftliche Forschung, Originalquellen der DDR, Zeitzeugenberichte sowie Erkenntnisse der Disability History und Inklusionsforschung.
Warum ist diese Geschichte heute wichtig? Weil Inklusion eine Geschichte hat. Wer Selbstbestimmung, Teilhabe und Barrierefreiheit heute verstehen will, muss wissen, welche Vorstellungen, Strukturen und Erfahrungen ihnen vorausgingen.
"Menschen mit Behinderungen in der DDR" ist Band 1 der Reihe "Inklusion Nord INFORMATIV" und lädt dazu ein, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern aus ihr Fragen für die Gegenwart zu entwickeln.
© 2026 BoD - Books on Demand (E-bog): 9783696736750
Udgivelsesdato
E-bog: 5. oktober 2026
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