Als der alte Fahrenbach, der eine zunächst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlässt er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jörg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin.
Als Bettina sich in ihr Bett legte und das Licht löschen wollte, wurde ihr zum allerersten Mal bewusst, dass sie noch keine Fotografie von Jan auf ihrem Nachttisch aufgestellt hatte. Es gab nirgendwo ein Foto von ihm – nicht hier, nicht in den Wohnräumen, aber auch nicht auf ihrem Schreibtisch oben in der Destille. Das war schon sehr merkwürdig, denn von Thomas hatte es an allen erdenklichen Plätzen Fotos gegeben. Selbst wenn sie verreist war, hatte sie sein Bild im Silberrahmen mitgenommen und sofort aufgestellt, weil ihr das stets das schöne Gefühl gegeben hatte, Thomas nahe zu sein. Bettina hatte sich seine Fotos andauernd angesehen, mit ihm Zwiesprache gehalten und sich in Träume verloren. Warum tat sie das denn jetzt nicht bei Jan, dem neuen Mann in ihrem Leben? Sie liebte ihn doch. Bettina hatte dafür keine Erklärung. Lag es vielleicht daran, dass sie Jan öfters sah, dass sie sich an seiner Gegenwart erfreuen konnte, seiner persönlichen Präsenz, und nicht auf Fotos zurückgreifen musste? Ja, es war wirklich ganz wunderbar, dass Jan so häufig zu ihr auf den Fahrenbach-Hof kam, dass sie sich sahen, viel gemeinsam unternahmen, dass er sie bei allem unterstützte, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Wie selbstverständlich es für Jan gewesen war, nach Australien zu reisen, um Nachforschungen über Jörgs Verbleib anzustellen. Von Deutschland nach Australien, das war nicht mal eben so was wie der Besuch einer Kneipe um die Ecke. Bettinas Augen füllten sich mit Tränen, als sie an ihren Bruder Jörg dachte, der so voller Lebensfreude, Abenteuerlust und Tatendrang auf seine Weltreise gegangen war. Es war so unvorstellbar, dass ihn bereits nach so kurzer Zeit das Schicksal ereilt hatte … Neuseeland, Australien …, weiter war er nicht gekommen. Bettina wollte es einfach nicht wahrhaben, dass er tot war, sondern sie klammerte sich noch immer mit aller Gewalt an dem Gedanken fest, dass er nur verschollen war. Eine trügerische Hoffnung! Fakt war doch, dass sein Flugzeug über unwegsamem, unbewohntem Gebiet abgestürzt war und dass man nach tagelangem Suchen sämtliche Rettungsbemühungen wegen ihrer Aussichtslosigkeit eingestellt hatte. Es war so unvorstellbar – doch nicht Jörg, ihr lässiger, unbekümmerter Bruder! Solange es keine Leiche gab, war es ja so einfach, sich etwas vorzumachen. Bettina löschte das Licht und drehte sich seufzend zur Seite.
© 2026 Blattwerk Handel GmbH (E-bog): 9783693710012
Udgivelsesdato
E-bog: 28. april 2026
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